Grenzenlos - Frauen bewegt

Projektbezeichnung:  Grenzenlos

Konzept:
Der Deutsche Frauenring Ortsring Celle e.V. plant in Kooperation mit  der Frauengruppe „Hevi“  des EKZ ( Ezidisches Kulturzentrum in Celle und Umgebung e.V.) ein Integrationsprojekt für Frauen in Stadt und Landkreis Celle durchzuführen. Außerdem soll die  Frauenbegegnungsstätte „ Selis“ in Batmann ( Türkei) Projektpartnerin sein.  Einheimische Frauen und Frauen aus Batmann werden über eine gemeinsame Fotoausstellung  das Leben von Ezidinnen in Deutschland näher kennenlernen. Die zu erstellenden Fotos sollen das gegenseitige Interesse aneinander fördern und soziale Kontakte vertiefen. Durch die gemeinsame Arbeit im Projekt soll die interkulturelle Kompetenz gefördert werden.
Die Vernetzung dreier engagierter Frauengruppen wird internationale Kontakte und Integrationsprozesse aktivieren.

Der Deutsche Frauenring ist der größte gesellschaftspolitische gemeinnützige Frauenverband Deutschlands. Er ist überparteilich und überkonfessionell und befasst sich mit frauenpolitischen Themen. Der Vorstand des Ortsrings arbeitet ausschließlich ehrenamtlich. Die ca 90 Mitglieder zahlen einen Jahresbeitrag von 45€. Von diesem Geld werden Beiträge an den Landesverband Niedersachsen abgeführt und Honorare, Fahrtgelder für Referenten bezahlt. Seit 2001 hat der DFR ein kleines Büro im Mehrgenerationenhaus in Celle. Unsere Clubnachmittage , andere wiederkehrende Veranstaltungen und viele unserer Seminare finden hier zentral und für unsere Mitglieder gut erreichbar statt. Außerdem unterstützen wir dieses Mehrgenerationenhaus mit unserer Miete und den Einnahmen aus dem Verzehr von Kuchen und Getränken..
Das Informationsangebot des Celler Ortsrings reicht von regelmäßigen Veranstaltungen wie „Aktueller Vormittag“ – in dem aktuelles Zeitgeschehen vor Ort mit Celler Politikerinnen verfolgt und diskutiert wird bis zu „Clubnachmittagen“ mit Fachreferaten . Ein Arbeitskreis Literatur befasst sich mit klassischen und modernen Werken. Weitere Angebote sind Besichtigungen von Einrichtungen und Betrieben in der Region, Tagesfahrten und mehrtägige Studienfahrten sowie Seminare zu unterschiedlichen Themen. Die hier anfallenden Kosten werden von den Teilnehmerinnen getragen.

Das Ezidische Kultur Zentrum in Celle und Umgebung e.V. wurde 1994 gegründet. Die ersten kurdisch-ezidischen „Gastarbeiter“ kamen Ende der 60 er Jahre nach Celle. Heute leben etwa 8.000 Eziden hier, die größte kurdisch – ezidische Gemeinde außerhalb der Heimat Kurdistan. Das EKZ ist eine kurdische Begegnungsstätte, die sich neben kulturellen Veranstaltungen auch mit Integrations- und Bildungsfragen beschäftigt. Es ist außerdem zum zentralen Ort der Eziden in Celle geworden und auch eine wichtige Anlaufstelle für andere Mitmenschen und den Behörden.
Ca. 800 Mitgliederfamilien zählen zum EKZ.

In der Frauenbegegnungsstätte „Selis“ in Batmann treffen sich regelmäßig Frauen zum Gedankenaustausch, zur Weiterbildung, zum Sport  und zur Beratung in familiären Notsituationen. „Selis“ wird durch die Kommune finanziell unterstützt.

In Celle gibt es eine lange Tradition einer guten und freundschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Frauen des Deutschen Frauenrings und ezidischen Frauen. Im vergangenen Jahr gab es ein herausragendes Projekt gemeinsam mit ezidischen Frauen , den Landfrauen und Frau Brinken, Integrationsbeauftragte des Landkreises Celle . Es entstand in einer Schreibwerkstatt ein Buch mit dem Titel: „ Fremde, Frauen, Freundinnen“.                                                                 Der Deutsche Frauenring hat die guten Kontakte zu den ezidischen Frauen aufgenommen um gemeinsam ein neues spannendes Projekt zu starten. Durch die Erfahrung, die Frau Brinken , Integrationsbeauftragte des Landkreises beim ersten Projekt gesammelt hat, wird sie  auch  uns bei diesem Projekt beraten . Leyla Özden vom EKZ übernimmt die Verbindung von Celle nach Batmann.    

Im Jahr 2010 kam der stellvertretende Bürgermeister der osttürkischen Stadt Batman Serhet Temel nach Celle. Er möchte   Beziehungen zwischen Celle und Batman auf  wirtschaftlicher, politischer und kultureller  Basis aufbauen. Im März 2011 fuhr eine kleine Delegation mit Celles Oberbürgermeister Mende zu einem Gegenbesuch nach Batman. Drei Frauen aus unserer Projektgruppe waren dabei, und konnten so erste Kontakte mit der dortigen Frauengruppe aufnehmen.
Aus der Region Batmann stammen mehr als 80 Prozent der in und um Celle lebenden Kurden. So entstand die Idee des DFR und der Frauengruppe „Hevi“ des EKZ in Zusammenarbeit mit den Frauen aus Batman verschiedene Alltagssituationen von Frauen auf Fotos festzuhalten. Dabei soll das Frauenleben in Deutschland von Ezidinnen, die seit langer Zeit hier leben und deren Leben sich inzwischen sehr vom Leben in Batman unterscheidet , dargestellt werden. Gleichzeitig soll die kulturelle Vielfalt in Celle dargestellt werden.  Die Fotos sollen nicht nur private Eindrücke wiedergeben sondern auch Frauen in den jeweiligen Landschaften bzw. Städten wiederspiegeln. Fotos bieten eine andere Form der Erzählens und Informierens über die kulturelle Vielfalt von Frauenleben und ermöglichen einen sprachunabhängigen Austausch .Die Fotos der  Frauenbegegnungsstätte „Selis“sollen informieren und Migrantinnen die Möglichkeit zur Reflexion über die Situation der Frauen in ihrer alten Heimat  eröffnen.
Das Thema der geplanten Ausstellung soll sein: „ Frauen – bewegt. „ und soll in beiden Städten zusammen gezeigt werden.
Die Ausstellungseröffnung findet  im  Rathaus  in Celle statt. Weitere Ausstellungen sind an verschiedenen Orten im Landkreis Celle geplant.  

Ziele:
Alle drei Frauengruppen haben das Ziel, Frauenwelten in Celle und Batman kennenzulernen, und der breiten Öffentlichkeit aufzuzeigen.
Die Lebenssituation von Ezidinnen:
Sprachbarrieren und Kommunikationsprobleme erschweren oftmals das Leben von Migrantinnen in Deutschland. Hinzu kommen häufig geringere berufliche Qualifikationen oder Hemmschwellen gegenüber deutschen Behörden und Einrichtungen. Vielen fehlt die Möglichkeit, eigene Erfahrungen und Kompetenzen in Kontakte mit einheimischen Frauen einzubringen.
Lebenssituation einheimischer Frauen:
Viele einheimische Frauen haben nur selten Kontakt zu Ezidinnen und wenig Einblick in deren Lebensalltag. Obwohl das Interesse für Situation von Ezidinnen groß ist, besteht Unsicherheit darüber, wie ein Kontakt hergestellt werden kann.

Lebenssituation der Frauen in Batmann:
Derzeit lebt in Batmann nur noch eine sehr geringe Anzahl von Ezidinnen. Die kurdischen Frauen sind überwiegend musilimschen Glaubens. Genderfragen werden von der Stadtverwaltung in Batmann vorangetrieben. Es gibt einen Ausschuss für Frauenfragen und den Ausschuss für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen. Allerdings wissen die Frauen in Celle zu wenig von Lebensrealität der Frauen aus Batmann.

Dieses Projekt soll bei den Stärken der Frauen ansetzen und aus dem Reichtum schöpfen, den alle Beteiligten aus den unterschiedlichen Kulturen mitbringen. Die Frauen mit und ohne Migrationshintergrund sollen sensibilisiert werden für die Situation des jeweils „ Anderen“. Sie sollen auf Augenhöhe voneinander lernen und dafür das notwendige Umfeld schaffen.

Organisation
Um das Projekt umzusetzen ist die Bildung unterschiedlicher Arbeitsgruppen beabsichtigt. Das Organisationsteam besteht aus Vertreterinnen der drei Projektpartnerinnen: 
Vom Deutschen Frauenring Gabriele Sabo, Georgia Langhans, Evelyn Krampen,
von der Frauengruppe „Hevi“ des Ezidischen Kulturzentrums Rhindi Yalti und Luksiye Agirman. Beraten und unterstützt wird diese Gruppe von Ulrike Brinken, Integrationsbeauftragte des Landkreises und  Leyla Özden, die für den regelmäßigen Kontakt zu Evin Güleker, Leiterin der Frauenbegegnungsstätte „ Selis“ in Batmann  zuständig ist..
Dieses Team wird sich ca.10 x im Jahr treffen.
Das Organisationsteam ist für die inhaltliche Arbeit des Projekts, die Bildung der Tandems, die Öffentlichkeitsarbeit und die Abrechnung und finanzielle Planung verantwortlich.
Daneben sollen regelmäßige Treffen aller Beteiligten stattfinden. Die Gruppentreffen sollen
den Teilnehmerinnen ein Forum für den Austausch, sowohl zu den inhaltlichen Aspekten der Fotoausstellung als auch zu den fachlichen Prozessen des Fotografierens bieten.
Diese Gruppe wird auch letztendlich die Fotos für die Ausstellung zusammenstellen.
Die Projektdauer wird ca. 2 Jahre betragen und die geplante Ausstellung dann im Jahr 2013 stattfinden.
Bei den jeweiligen Projektpartnerinnen werden Frauen geworben, die sich an dem Fotoprojekt beteiligen wollen, um sich gegenseitig in bestimmten Alltagssituationen zu fotografieren.   Angedacht sind jeweils 10 Frauen, die sich zu Tandems zusammenschließen. Diese treffen sich, um nach eigenen Vorstellungen entsprechende Fotomotive und Ideen zu entwickeln.
Vorgesehen ist im Frühjahr 2012 ein Besuch von Celler Frauen in Batman. Es wird  der persönliche Kontakt zur Frauengruppe „Selis“ aufgebaut und weitere Planungen für die Fotoausstellung besprochen werden. 
Auch ein  Gegenbesuch der Leiterin der Frauengruppe „Selis“ Frau Evin Güleker in Celle ist vorgesehen.

Gemeinsame Fortbildungen/ Workshops
Die gemeinsamen Fortbildungen liefern den Frauen den Zugang zu Themen und Handwerkszeug. Die Frauen fotografieren selbst. In einem gemeinsamen Workshop werden  die dafür notwendigen Kenntnisse vermittelt. Die Referentin Gitta Larssen-Stöckemann wird nicht nur die technischen Voraussetzungen sondern auch Tips für Motive etc. vermitteln. Frau Larssen-Stöckemann wird zudem die Frauen in Fragen der Speicherung und Bearbeitung der Fotos auf dem PC beraten.
Die Frauenringsfrauen werden auf einer Fachtagung mehr über die ezidische Kultur erfahren.
In einer weiteren gemeinsamen Fortbildung werden sich die Frauen mit der Emanzipationsbewegung in beiden Kulturen beschäftigen.

Schlussbemerkung:
Mit diesem Projekt werden dauerhafte Kontakte zwischen den ezidischen und einheimischen Frauen geknüpft. Durch die enge Zusammenarbeit entsteht Vertrauen und mögliche Vorurteile werden abgebaut. Durch das gegenseitige fotografieren müssen die Frauen ständig einen Perspektivwechsel vornehmen. Einmal durch den Blick durch die Linse und zum anderen beim Betrachten der Bilder. Das erfordert Mut und die Bereitschaft Dinge zu erkennen, die im alltäglichen Leben häufig untergehen. Das eröffnet Chancen auch eigene Perspektivwechsel vorzunehmen. Fähigkeiten und Stärken anzuerkennen, um sich mutig Veränderungen zu stellen. 

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